appell an das vergessen
Dezember 17, 2005

tag eins nach der blamage. es war am donnerstag, ein abend ganz nach unserem gusto. fr. visa aus nrw war auf kurzvisite im heimischen wiesbaden. fr. pfeffer gedachte in ihren geb. zu feiern. im kleinen rahmen. da uns hr. concierge de pudel zu heissbegehrten karten an diesem abend verhalf, konnte wir drei mädels stilvoll in fr. pfeffers geb hineinfeiern. das gestüt renz lud in geschlossener gesellschaft zum 2jährigen clubbestehen. wir trafen gegen 21.00h dort ein. die veranstaltung war zu diesem zeitpunkt noch alles andere als gut besucht. so konnten wir uns plätze in der ersten reihe sichern, direkt an der quelle. wir platzierten uns an der bar. taktisch kluge plätze. den welcome’s drink zügig geleert, fuhren wir fort mit sekt. sekt. gin tonic. bier. der laden füllte sich, und wir uns auch. die creme de la creme bot sich ein stell dich ein. alles was rang und namen hatte war vor ort. ist es doch immer das gleiche spiel. zu nüchternen stunde ist alles sehr verhalten, und je mehr alkohol fliesst umso ausgelassener wird die stimmung. es ist immer das selbe. wir drei hatten auf jedenfall mal wieder viel spass. wir sassen wie die hühner auf der stange auf unseren barhockern. hätte man uns ab 21.00 ausgiebig beobachtet, so hätte man deutlich die auswirkung von alkohol auf das menschliche verhalten studieren können. um 24.00h war es dann soweit. fr. pfeffer’s geb. ich hatte einige zeit vor diesem zeitpunkt versucht dem dj ein „happy birhday“ liedchen aus den rippen zu leiern. vergeblich. er sei eigens aus new york eingeflogen worden, und so was hätte er nun wirklich nicht im programm. so was. ich sagte nur zu ihm, dass es mir relativ egal sei aus welcher weltmetropole er ins piefige wiesbaden gefunden hatte, und ärgerte mich ein wenig über dessen überheblichkeit. also gab es um 24.00h für fr. pfeffer kein „happy birthday“, allerdings einen italienischen opern-ausszug. ein junger mann, schmächtig und klein, sang stimmgewaltig wie der grosse pavarotti, zu all unserer überraschung eine arie vom feinsten. unglaublich. zum geb. gab es dann noch auf kosten des hauses eine flasche champagner, sowie diverse wodka-maracuja shots. die uns damen letzendlich auch fast den rest gaben. aber nur fast. wir tanzten ausgelassen zu der musik des eigens aus new york angereisten dj’s. fr. pfeffer verabschiedete sich dann relativ frühzeitig, musste sie doch auch am freitag noch feierfest sein. fr. visa und ich, vergnügten uns dann ohne sie weiter. gegen 2.00h dann überedete ich fr. visa doch noch eine andere veranstaltung an diesem abend aufzusuchen. wir fuhren also zur boogie night. der laden brummte, und das an einem donnerstag in wiesbaden. sehr verwunderlich. ich hoffe nur, dass dort alle anderen gäste ähnlich betrunken waren wie wir. als ich gegen 3.00h beim ausgelassenen tanzen mit meinen zu hohen schuhen seitlich wegzurutschen drohte, versuchte ich diesen fall…so fr. visa, die das szenario beobachtete…mit einer aussagekräftigen gesichtsmimik aufzuhalten, bzw. auszubalncieren. was mir aber leider nicht mehr gelang. kennt man den schlachthof, so ist dort ein fall zu boden, mit einem sturz in die kloake vergleichbar . man half mir wieder auf, und ich hoffte inständig, dass das bitte niemand gesehen hat. völlig vermessen dieses anzunehmen. ich sah aus wie sau. fr. visa vergnügte sich unterdessen nonverbal mit einem hervorragend aussehenden jüngling. nein,.. sie flirteten nur! ich suchte nun lieber sicheren halt auf einer feststehnden sitzgelegnheit. gegen 4.30h gingen dann die lichter an. ganz schlechtes zeichen. aufgrund der anhaltenden fröhlichen stimmung, beschlossen wir noch mit anderen gutgelaunten menschen zu einem bekannten zu fahren. wohnte dieser sowieso direkt bei mir um die ecke. dort angekommen, hörten wir musik, unterhielten uns noch über dinge die wir heute nicht mehr wissen. und irgendwann schliefen wir alle verteilt über sofas und sessel ein. gegen 8.00h wachte ich auf. ich wusste ich sollte schnellstens diese lokation verlassen, und richtung heimat maschieren. was ich dann auch tat. gepeinigt von übelsten kopfschmerzen, überlegte ich die 300m mit einem taxi zurückzulegen. da allerdings auf den strassen schon das leben pulsierte, es war ja erst freitag und nicht wie ich annahm sa. oder so., entschloss ich mich den kurzen weg zu fuss zu absolvieren. ich lief also an meinem stammkiosk vorbei. der inhaber grüsste mich freundlichst mit einer handbewegung. es regnete und stürmte gewaltig. es war schon halbwegs hell, und mir kamen erstaunlich viele menschen entgegen. zu hause angekommen. ging ich schnurstracks ins bad und entledigte mich meiner völlig verdreckten kleidung, dann schminkte ich mich ab. was ich dann bemerkte war nicht mehr feierlich. während ich anfing mein gesicht zu waschen, spürte ich wie sich ein fremdkörper von meiner wange löste. hä? was war das denn bitte? da ich mein waschbecken mit einem schutzsieb versehen habe, schaute ich gleich nach. es war ein kaugummi. da lag ein kaugummi im waschbecken. ein kaugummi, aus meinem gesicht. ein kaugummi, der anscheinend beim einschlafen aus dem mund viel. ein kaugummi, auf dem ich dann wohl etwas länger rumgelegen haben muss. ein kaugummi, der an meiner wange haften blieb. ein kaugummi auf meiner wange, den ich ca. 300m lang nicht bemerkte. nicht einmal spürte. ein kaugummi den ich wohl komplett die 300m meter mit mir auf der backe nach hause getragen hatte. das glaube ich ja nicht. wie peinlich ist das denn. da läuft eine völlig verdreckte und restalkoholisierte, rein optisch in starke mitleidengeschaft gezogene mittdreissigerin morgens gegen 8.00h im oberen westend wiesbadens, mit ne’m kaugummi im gesicht rum. das ist schlimm, das ist traurig, das ist erbärmlich. ich schäme mich zutiefst. vor allem aber frage ich mich, ob das freundliche winken des kioskinhabers in kopfnähe, evtl. irgendetwas mit dem kaugummi in meinem gesicht zu tun’ hatte? es wäre zumindest möglich…
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