fliegenspinnentier
Mai 8, 2006

keine ahnung wie diese tiere heißen, die sich jährlich sobald es draußen wärmer geworden ist bei mir des nachts treffen. ich würde sie als fliegende spinnen bezeichnen. keine kleinen spinnen. riesen spinnen. riesen spinnen mit kleinem korpus, aber extrem langen dünnen beinen. früher ekelte ich mich vor spinnen. vor kleinen und großen. da kam es auch mal vor, daß ich mein schlafquartier an einem sicheren platz in der wohnung aufschlug. umbringen konnte ich solche tiere noch nie. abgesehen von den häßlichen flecken die sie hinterlassen, hat man sie zu fest getroffen. der staubsauger war da so eine möglichkeit, die es mir offen ließ, wenn’s denn so gar nicht ging. ich wohnte einmal mit fr. visa in einer wohnung, die war in sommernächten belagert von grashüpfern. das war echt nicht mehr feierlich. überall sprangen die einen unvermittelt aus dem hinterhalt an. man bekam die nicht einmal mit dem staubsauger erledigt. die kamen da immer wieder raus. kaputtschlagen ging so gar nicht. aber wie gesagt, daß konnte ich eh noch nie. und bei grashüpfern ist das auch so eine sache, die sind ganz schön robust. als kind sagte mein papa mir immer, spinnen und änliches gingen nicht an menschen. die hätten angst vor menschen. außerdem schnappte ich irgendwo mal auf, daß spinnen umbringen unglück bringen würde. und überhaupt, wenn es eine wiedergeburt geben sollte, dann vielleicht ja auch als spinne. und da meine mama nun ja schon gestorben ist, so könnte sie ja vielleicht auch als spinne wiedergeboren worden sein. wie auch immer, diese gedanken zu spinnen und anderem getier veranlassen mich bis heute, solches, wenn lebend zu entsorgen. einzige außnahme, wenn die katze es erledigt. vielleicht etwas widersprüchlich, aber das ist ja an sich natürlich. so läuft es ja nunmal in der natur. auch in dieser wohnung hatte ich mal einen grashüpfer. mit einem weizenglas bewaffnet konnte ich diesen damals dingfest machen. nach draußen konnte ich ihn aber irgendwie nicht loswerden. er klebte sich mit seinen saugfüßchen sowas von fest an das glasinnere, daß ich ihn auch durch mehrmaliges schütteln da nicht raus befördern konnte. also stellte ich das weizenglas für den rest der nacht mit öffnung nach unten, logisch, auf den boden. ich dachte mir, dann muß er halt bis morgen warten. ich mußte ja auch irgendwann mal schlafen. weiter dachte ich, sei sicherlich auch genügend sauerstoff für das kleine tierchen in dem großen glas, so daß es wohlbehalten die nacht übersteht und am morgen draußen freigelassen werden kann. da hatte ich aber leider falsch gedacht. der grashüpfer war am nächsten morgen nicht mehr am leben. das fand ich echt traurig, wie er da mitbeinchenhochgestreckt auf dem rücken lag. das tat mir total leid.das wollte ich so doch nicht. mensch. um nun nochmal auf diese riesen fliegenden spinnen zu kommen, die sich hier jährlich einzeln in meinem schlafzimmer einfinden. so eine hatte ich heute nacht erstmalig dieses jahr wieder hier drin. hätte die katze nicht die ganze zeit an die decke gestarrt, ich hätte das tier wahrscheinlich gar nicht bemerkt. durch die katze aber blieb mir nun dessen anwesenheit nicht verborgen, und ich konnte es irgendwie dann auch nicht verdrängen. wenn die nicht krabbeln, dann fliegen die nämlich. die fliegen ganz tröge. ich nehme an weil die beine, im verhältnis zum körper so lang, und wahrscheinlich auch zu schwer sind. wenn die also so total langsam losfliegen, dann hängen die beine alle ganz schwer nach unten und sie verlieren extrem an flughöhe. hängen die an der wand, dann haben die mit ausgestreckten beinen einen umfang, der dem eines weizenglases nicht annähernd gleich kommt. so saß ich hier heute nacht also in meinem bett. im dunklen. wissend des unliebsamen gastes an der decke. die katze schemenhaft im blick, um den aufenthaltsort des spinnenfliegentiers in etwa ausmachen zu können. es sollte sich hüten in die nähe meines bettes zu kommen. ok, der staubsauger, die letze möglichkeit, aber was ein aufstand bei der altbaudeckenhöhe und meiner körpergröße. also wartete ich ab. es tat sich aber nichts. die katze immer auf der selben position, das fliegenspinnentier dann wohl auch. als mir das alles zu langwierig wurde, öffnete ich sperrangelweit die schlafzimmertür und machte draußen im flur licht. soll das tier doch da nun einfach rausfliegen, und gut ist. wieder im bett, beobachtete ich weiter die katze. nichts. da tat sich so gar nichts. also stand ich wieder auf, licht angemacht und nachgeschaut ob das tier überhaupt irgendwelche anstalten macht sich richtung flur zu verpissen? das fliegenspinnentier saß völlig lahm an der decke rum, die katze saß versteinert am boden und starrte bewegungslos nach oben, und so hatte ich in diesem moment auch was von beiden. bringt ja so alles nichts, dachte ich. das bekomm ich ohne aktion hier jetzt nicht gelöst. was ich vorallem wollte war, daß ich auf gar keinen fall wollte, daß wenn das spinnenfliegentier gedachte irgenwann mal durchzustarten, mir irgendwie ins gesicht oder so fliegt. am liebsten hätte ich jetzt so eine sturmhaube. als kind hatte ich so komische schalmützen, da guckten dann nur noch augen und nase raus. die habe ich damals gehaßt, aber jetzt hätte ich so eine zu gerne gehabt. hatte ich aber nicht. als alternative bot sich allerdings die kapuze meines kapuzensweatshirts. wenn ich die aufsetze und die bändel schön festzurre? klar, mit decke übern kopf wär’s natürlich auch gegangen, aber das mag ich nicht wenn’s so warm darunter wird, und man kaum luft bekommt. ich wählte die kapuzensweatshirt alternative. so schlief ich dann heute nacht. als ich heute morgen aufwachte, da schaute ich erstmal in der ecke nach wo einst das fliegenspinnentier saß, ob’s da immer nochg hockt. es war weg. hab’s auch sonst wo nicht mehr gefunden. die katze schlief im übrigen heute nacht genau dort ein, wo sie zuvor saß. die frage wo das fliegenspinnentier abgeblieben ist bleibt so ersteinmal offen.
auch gut



Mai 8, 2006 at 5:32
ich habe mal ein paar monate auf einem bauernhof gewohnt, als übergang bis mein häuschen fertig renoviert war. in dem zimmer wohnten über 100 spinnen. ich habe sie gezählt, alle… beim einsaugen. da dachte ich mir später: das ist bestimmt eine geile party da im staubsauger. aber das beste war ja, wenn man mal keinen neuen staubsaugerbeutel zur hand hat, dann puhlt man ja gerne mal den staub aus dem alten beutel, um den wiederzuverwenden. mir läufts heiss und kalt den rücken runter… die rächen sich bestimmt eines tages bei mir, die spinnen.
Mai 8, 2006 at 6:16
das ist extrem gruselig. das einzige was da ein wenig hilft ist den staubsauger lange, gaaanz lange heißlaufenlassen…dann zerbröselt es die im inneren. die grashüpfer kamen aber trotz heißlaufenlassens immer wieder raus. einmal hat fr. visa einen ins klo geschmissen, und ich mußte zeitgleich die spülung drücken…er kam uns beiden mit nem riesen satz wieder entgegen, daraufhin haben wir beide geschrien und sind aus dem klo gerannt….
Mai 8, 2006 at 11:46
Der Staubsaugerbeutel war dem Goldhamster von Frau Karger sein frühes Grab.
Mai 9, 2006 at 6:58
In Guntersblum wollte ein ganz Schlauer das aufgesaugte Ungeziefer mit Gas aus dem Herd vernichten.
Diese Aktion erzeugte eine Baulücke.